Was die Aktienmärkte im Moment bewegt*

Wer in den letzten Wochen an der Börse aktiv war und in Aktien investiert hat, der wird wahrscheinlich ein Wechselbad der Gefühle erlebt haben. Die Märkte schwankten zuletzt sehr deutlich. Gerade für Einsteiger kann ein solches Verhalten an den Märkten für große Verunsicherung sorgen – insbesondere wenn man sich nicht erklären kann, warum sich die Aktienkurse in die eine oder andere Richtung bewegen. In dem heutigen Blogeintrag möchte ich dir daher an Hand aktueller Themen aufzeigen, wie die Aktienmärkte mit der Weltpolitik zusammenhängen. Es handelt sich dabei natürlich nicht um eine vollständige Markteinschätzung, soll dir aber ein Gefühl dafür geben, worauf du in Zukunft achten solltest, wenn du an der Börse investierst.

Handelsstreit USA – China – Europa

Zunächst wäre da der schon seit einigen Monaten schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China, sowie den USA und der Europäischen Union zu erwähnen. Der US-Amerikanische Präsident, Donald Trump, hat es sich auf die Fahne geschrieben, die wirtschaftliche Position der USA im weltweiten Vergleich zu stärken. Er versucht daher die Nachfrage nach Amerikanischen Produkten zu erhöhen und so ein gewisses Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Das Problem ist, dass in den USA die Löhne und damit auch die Lohnkosten für Firmen sehr teuer sind. Produkte in denen sehr viel manuelle Arbeit steckt, werden daher oft in Ländern produziert, in denen die Lohnkosten geringer sind (z.B. China). Bei anderen Produkten wiederum kann es sein, dass andere Länder einfach einen Technologievorsprung haben und in der Lage sind bessere Qualität als heimische Produzenten anzubieten. Man kann über die Gründe spekulieren wie man will, die USA haben jedenfalls mit China und der EU ein Handelsdefizit. Das heißt, dass die USA mehr Produkte aus diesen Ländern importieren, als sie dorthin exportieren. Der US-Präsident möchte diese negative Handelsbilanz mit Zöllen ausgleichen. Das heißt, dass auf importierte Produkte Zölle erhoben werden, die ausländische Waren künstlich verteuern sollen, um den möglichen Preisnachteil der heimischen Firmen auszugleichen. Die Konsequenz daraus ist, dass sich in den Ländern, die von den Zöllen betroffen sind, die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtern und dadurch auch die Aktienkurse sinken. In China hat das bereits dazu geführt, dass das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt hat.

Türkei-Krise

Ein weiteres politisches Thema, dass aktuell die Börsen in Bewegung hält ist die Türkei-Krise. In der Türkei gab es in den letzten Jahren einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und vor allem viel Wachstum. Immer mehr internationale Unternehmen haben Standorte und Zweigstellen in der Türkei eröffnet. Die Lohnkosten sind relativ gering und das Bildungsniveau steigt stetig an. Das Wachstum erfolgte jedoch sehr schnell und wurde auch durch die Abwertung der Landeswährung (Lira) angetrieben. Produkte, die von Türkischen Unternehmen hergestellt werden, werden in Lira bezahlt. Wenn die Lira billig sind – man also viele Lira für Dollar oder Euro bekommt – dann werden zugleich auch türkische Produkte im Ausland billiger und attraktiver. Das kurbelt natürlich den Export an und wirkt sich positiv auf die Wirtschaft aus. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Waren, die die Türkei aus dem Ausland importieren muss immer teurer werden, wenn die Lira an Wert verliert. Als Konsequenz daraus haben sich viele Waren in der Türkei dramatisch verteuert. In diesem Fall spricht man von einer Inflation. Als „normal“ werden 2-3% Inflation pro Jahr angesehen. In der Türkei waren es zuletzt mehr als 15%. Es besteht also Handlungsbedarf! Normalerweise würde man in so einem Fall den Leitzins erhöhen, um den Wert der Lira zu stabilisieren. Damit läuft man allerdings Gefahr, das Wirtschaftswachstum (insbesondere den Export) auszubremsen. Eine Zwickmühle also… Zusätzlich gibt es noch politische Spannungen zwischen dem Türkischen Präsidenten und anderen Ländern, allen voran die USA, die wiederum Strafzölle gegen die Türkei einführen bzw. erhöhen wollen. Das dadurch der Türkische Aktienmarkt belastet wird, dürfte jedem klar sein.

Zinspolitik der Notenbanken FED vs. EZB

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Entwicklung an den Aktienmärkten ist die von der Zentralbank festgelegte Höhe des Leitzinssatzes. In einigen Beiträgen habe ich ja schon erwähnt, dass ein geringes Leitzinsniveau dazu führt, dass Kredite sehr billig werden und gleichzeitig die Sparzinsen schrumpfen. Die Folge daraus ist, dass der Aktienmarkt boomt, denn Sparbuch und Festgeld versprechen nur äußerst niedrige Zinsen. Stattdessen fließt immer mehr Kapital der Anleger in die Aktienmärkte und lässt die Kurse steigen. Interessant zu beobachten ist, dass die US-Notenbank (Federal Reserve, auch: Fed) kürzlich damit begonnen hat den Leitzins langsam zu erhöhen. Allein im Jahr 2018 wurde der Zinssatz bereits drei Mal erhöht und steht aktuell bei 2-2,25%. Ziel der Fed ist es dabei ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern und der Inflation entgegen zu wirken. Im Gegensatz zu den USA werden in Europa die Zinssätze durch die Europäische Zentralbank (auch: EZB) bestimmt. Die EZB agiert dabei weitgehend unabhängig von der Fed und hält weiterhin an der Niedrigzinspolitik fest. In Europa beträgt der Leitzins momentan nahezu 0% und ist damit deutlich geringer, als in den USA. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich dieses Zinsgefälle auf den Aktienmarkt auswirkt. Gut möglich, dass die nun schon viele Jahre andauernde Wachstumsphase mit Erhöhung des Leitzins ein Ende findet. Aber das kann natürlich niemand so genau vorhersagen. Für meinen Geschmack sind viele Aktienkurse in der Tat aktuell etwas zu hoch bewertet, sodass eine Korrektur durchaus denkbar wäre. Viele Anleger denken genauso, daher kommt es in letzter Zeit vermehrt zu relativ starken Schwankungen an den Kapitalmärkten.

Brexit & Italien

In Europa beschäftigen uns zudem regionale politische Ereignisse, die sich ebenfalls auf den Kapitalmärkten bemerkbar machen. Seitdem am 23. Juni 2016 die Bürger Großbritanniens im Rahmen eines Referendums sich dafür entschieden haben aus der Europäischen Union auszutreten, leidet die Britische Wirtschaft unter den Folgen. Firmen – und auch Anleger – befürchten, dass Britischen Unternehmen zukünftig der Zugang zum Europäischen Binnenmarkt verwehrt bleibt oder zumindest erschwert wird. Dementsprechend sind viele Britische Aktien in der Gunst der Anleger gesunken. Die nächsten Monate werden zeigen, ob es der hiesigen Regierung gelingt, einen guten Deal herauszuschlagen, sodass der Zugang zum Binnenmarkt erhalten bleibt. Ob das klappt, ist derzeit noch unklar und sorgt für Unsicherheit im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Zudem blickten die Anleger zuletzt auch besonders interessiert in Richtung Südeuropa, speziell nach Italien. Die vor kurzem neu gewählte Regierung hat dort die Haushaltspläne für 2019 vorgestellt. Statt dem von der EU geforderten Sparkurs zu folgen, hat die Italienische Regierung einen Haushaltsentwurf vorgelegt, der neue Schulden vorsieht – und das obwohl Italien nach Griechenland bereits heute die größte Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt aufweist. Aus der Perspektive der Anleger steigt damit die Sorge, dass die Zinsen für Italienische Staatsanleihen in die Höhe schnellen und der Schuldenabbau umso schwieriger wird. Außerdem ist auch eine Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens denkbar und könnte eine erneute Krise der Europäischen Finanzmärkte hervorrufen.

Du siehst, dass in letzter Zeit eine Menge wichtiger Ereignisse stattgefunden haben, die sich auch auf den Aktienmarkt auswirken können. Fortgeschrittene Anleger spekulieren möglicherweise auf Kursentwicklungen in die eine oder andere Richtung. Ich selbst bin nicht unbedingt ein Befürworter solcher Spekulationen, denn für den Privatanleger sollte eher der langfristige Anlagehorizont ausschlaggebend sein. Nicht umsonst gibt es an der Börse die alte Weisheit, dass „politische Börsen“ kurze Beine haben. Das bedeutet, dass politische Ereignisse in der Vergangenheit oft nur kurzzeitig die Aktienmärkte beeinflusst haben. Also: Augen und Ohren auf, aber nicht verrückt machen lassen!

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