ETF-Sparpläne und die Qual der Wahl – In welche ETFs kann ich überhaupt investieren? (1/3)*


ETF-Sparpläne erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und sind eine einfache Möglichkeit regelmäßig mit wenig Aufwand in Aktien zu investieren. Jedoch hast du bei der Auswahl eines ETF-Sparplans wie bei vielen Dingen im Leben die Qual der Wahl. In diesem Zusammenhang gehen dir bestimmt ähnliche Fragen wie mir durch den Kopf:

Diese drei Fragen wollen wir dir in unserer dreiteiligen Blog-Beitrag-Serie beantworten. Im Folgenden adressieren wir unsere erste Frage. Doch zuvor: Wenn du ein ETF-Neuling bist, dann lese zunächst Pauls vorangegangene Blogbeiträge. In einem vorherigen Blogbeitrag hat Paul erklärt, was ein ETF ist und dass du mit einem ETF mit relativ wenig Aufwand in ganze Märkte investieren kannst. Außerdem hat er dir in einem weiteren Beitrag erklärt, dass du mithilfe sogenannter ETF-Sparpläne schon ab 25€ pro Monat in Aktien investieren kannst und dabei noch den Cost-Average Effekt für dich nutzt.

 

1. Du kannst mit ETFs in fünf verschiedene Anlageklassen investieren

ETFs sind für zahlreiche Anlageklassen verfügbar. Zu diesen Anlageklassen gehören hauptsächlich Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Anleihen und Währungen. Wenn du also einen ETF-Sparplan eröffnest, musst du dir als erstes darüber im Klaren sein, in welche Geldanlage du eigentlich investieren möchtest. Basierend auf diesen verschiedenen Geldanlagen gibt es Börsenindizes, welche einen jeweiligen Anlage-Markt nachbilden. Die klassischen Börsenindizes sind zum Beispiel ein Aktienindex, Immobilienindex, Rohstoffindex, Rentenindex oder Währungsindex. Während ein (1) Aktienindex eine Kennzahl zur Entwicklung von Aktienkursen darstellt, zeigt ein (2) Immobilienindex die Entwicklung von Immobilienpreisen an. Weiterhin stellt ein (3) Rohstoffindex eine Kennzahl zur Entwicklung von Rohstoffpreisen dar, während ein (4) Rentenindex die Entwicklung der Rentenkurse anzeigt. Zu guter Letzt zeigt ein (5) Währungsindex die Entwicklung einer Währung im Vergleich zu anderen Währungen. Zusammenfassend lässt dich also sagen, dass der jeweilige Index die Werteentwicklung einer Anlageklasse in einem Markt widerspiegelt. Glaubst du also, dass sich Immobilien in Zukunft besser als Aktien entwickeln werden, solltest du überlegen in einen Immobilen-ETF zu investieren. Der Fokus unserer Blog-Beitrag Serie liegt jedoch auf Aktienindizes.

 

ETFs bilden fünf verschiedene Anlageklassen ab

 

2. Du mit ETFs in vier verschiedene Kategorien von Aktienindizes investieren

Ebenso wie bei den Geldanlagen sind ETFs für verschiedene Kategorien von Aktienindizes verfügbar. Zu diesen Aktienindizes gehören Marktbreite-Indizes, Regionen-Indizes, Branchen-Indizes und Strategie-Indizes. Bevor du einen ETF-Sparplan anlegst, entscheide dich also, in welchen Aktienindex du investieren möchtest. (1) Marktbreite-Indizes umfassen Unternehmensaktien eines globalen Marktes und ermöglichen einen Vergleich von Fonds untereinander. Ein bekanntes Beispiel ist der S&P 500, welcher die 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. (2) Regionen-Indizes umfassen Unternehmensaktien einer ganzen Region. Ein berühmtes Beispiel ist der MSCI World, welcher mehr als 1600 der größten börsennotierten Unternehmen aus 23 Industrieländern umfasst. (3) Sektor- oder Branchen-Indizes enthalten hauptsächlich Aktien von Unternehmen aus einer bestimmten Branche. Zum Beispiel ist der HUI ein Aktienindex mit den international größten Goldproduzenten und Gold fördernden Bergbauunternehmen. (4) Strategie-Indizes verfolgen bei der Zusammensetzung des Index eine bestimmte Strategie. So ist zum Beispiel der DivDAX ein Strategieindex und möchte mithilfe einer Dividendenstrategie den Leitindex DAX schlagen. Er umfasst deshalb die dividendenstärkere Hälfte der 30 Unternehmenswerte im DAX.

 

ETFs bilden vier verschiedene Kategorien von Aktienindizes ab

 

Die Entscheidung, ob du in einen ETF investierst, welcher einen Weltmarkt, eine Region, ein Land, einen Sektor, eine Branche oder eine bestimmte Strategie nachbildet, musst du eigenständig treffen. Wenn du dir zum Beispiel sicher bist, dass es in den nächsten Jahren zu einem Weltwirtschaftswachstum kommen wird, dann solltest in einen MSCI World investieren. Wenn du glaubst, dass die 30 größten Unternehmen in Deutschland sich besser als der Rest der Welt entwickeln werden, dann solltest du in den DAX investieren. Wenn du der Meinung bist, dass sich die Goldindustrie in den nächsten Jahren deutlich positiv entwickeln wird, dann ist ein Gold-Branchen-Aktien-Index richtig für dich. Bei deinen Entscheidungen solltest du immer die zukünftigen Risiken und Chancen im Auge haben, die mit dem Kauf der Gruppe von Aktien in einem Index verbunden sind.

Nehmen wir mal an, du stehst vor der Frage in einen ETF zu investieren, welcher die 20 weltweit größten börsennotierten Unternehmen im Bereich 3D-Druck abbildet. Bei dieser Frage solltest du dementsprechend über deine Risiken und Chancen nachdenken. Wenn du lediglich in 20 3D-Druck-Unternehmen investierst, ist dies sicherlich riskanter, als wenn du in 1600 Unternehmen weltweit investierst. Wenn ein Unternehmen in der 3D-Druck-Branche eine schlechte Performance hinlegt, hat das deutliche Auswirkungen auf deinen ETF und du musst wahrscheinlich einen Kursverlust hinnehmen. Andererseits, wenn sich ein Unternehmen in deiner Branche sehr positiv entwickelt, ist deine Chance größer, höhere Kursgewinne zu erzielen. Versuche also bei deiner Entscheidung möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen.

 

3. Du kannst in ETFs von verschiedenen Anbietern investieren

Wie bei normalen Produkten im Supermarkt, kannst du dir bei einem ETF verschiedene Anbieter aussuchen. Typischerweise werden ETFs von verschiedenen Fondsgesellschaften angeboten. Zu den bekanntesten Fondsgesellschaften gehören XTRACKERS, Deka, Comstage, Lyxor, Amundi, Ishares oder UBS. Die Wahl der Fondsgesellschaft spielt aber bei der Wahl deines ETFs eine eher untergeordnete Rolle. In der Regel unterliegen Fonds und ihre Fondsgesellschaften in Europa alle den gleichen Anforderungen, der sogenannten OGAW-EU-Richtlinie. Durch diese Richtlinie sind Fonds verpflichtet Ihren Anlegern Pflichtinformationen vorzulegen wie zum Beispiel ein Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresberichte. Weiterhin müssen Fongesellschaften das Fondsvermögen als Sondervermögen verwalten. Das bedeutet, dass im Falle der Insolvenz der Fondsgesellschaft das Vermögen der Anleger nicht teil der Insolvenzmasse werden kann. In diesem Zusammenhang werden Fondsgesellschaften von der Finanzaufsicht regelmäßig überwacht. In Deutschland übernimmt das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), welche wegen dem Wirecard-Vorfall zurzeit öfter in den Nachrichten ist. Der Fondsanbieter ist für dich nur interessant, wenn bei ETF-Sparplänen Kooperationen zwischen deiner Depot-Bank und einen Fondsanbieter bestehen. Zum Beispiel hat die Consorsbank eine Kooperation mit der Fondsgesellschaft Lyxor. Aus diesem Grund kann man bei der Consorsbank ETFs des Anbieters Lyxor kostenlos besparen, ohne Transaktionsgebühren zahlen zu müssen. Jedoch sollte der ETF-Anbieter nicht ausschlaggebend für deine Auswahl sein. In der Regel kannst du nämlich den Fonds des Anbieters deiner Wahl oft bei anderen Depotbanken kostenlos besparen.

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4. Du kannst mit ETFs in drei verschiedene Replikationsmethoden investieren, um einen Index abzubilden

Im Gegensatz zum Anbieter spielt die Replikationsmethode eine größere Rolle für die Auswahl des ETFs. Das Wort „Replikationsmethode“ hört sich im ersten Moment kompliziert an, aber ist gar nicht so schwierig zu verstehen. Die Replikationsmethode ist nichts anderes als die Vorgehensweise, wie ein ETF einen Index abbildet. Zurzeit werden maßgeblich drei verschiedene Techniken verwendet, um einen Index nachzubilden. Diese werde ich dir anhand eines MSCI Worlds erklären. Bei der (1) Full-Replication Methode wird ein Index vollständig nachgebildet. Das bedeutet, dass ein MSCI-World-ETF den Index vollständig abbildet, indem er Unternehmensaktien in seinem Sondervermögen kauft und verkauft. Der ETF stellt dann also sicher, dass er alle Aktien der weltweit über 1600 größten börsennotierten Unternehmen des Index in der entsprechenden Gewichtung im Sondervermögen hält. Bei der (2) Sampling Methode hingegen wird nur eine Teilmenge der Unternehmensaktien im Index ins Sondervermögen gekauft. Das heißt, dass der MSCI-World-ETF bei dieser Methode den Index mit insgesamt über 1600 Unternehmen nur teilweise abbildet. Es werden nur Unternehmensaktien gekauft oder verkauft, die das größte Gewicht im Index haben. Dadurch, dass nur die Aktien mit der größten Gewichtung im Index gekauft oder verkauft werden spart der ETF hohe Transaktionskosten. Bei der (3) Unfunded-SWAP Methode werden nicht direkt Unternehmensaktien in das Sondervermögen gekauft, sondern Swapgeschäfte im Sondervermögen verwendet, um den Index abzubilden. Ein Swapgeschäft ist ein außerbörsliches Tauschgeschäft zwischen mindestens 2 Institutionen, die sich z.B. gegenseitig Wertpapiere leihen.

 

ETFs verwenden drei verschiedene Replikationsmethoden, um einen Index abzubilden

 

Also, du hast die Wahl!

Fassen wir noch einmal zusammen was wir beschreiben haben. Bei ETFs hast du die Möglichkeit in verschiedene Geldanlagen wie Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Renten und Währungen zu investieren. Hierzu gibt es auf dem Finanzmarkt sogenannte Börsenindizes, welche die Werteentwicklung einer Anlageklasse in einem Markt widerspiegeln. In Bezug auf Aktienindizes kannst du entweder in einen breiten Markt, eine Region, eine Branche oder eine bestimmte Strategie investieren. Hierbei hast du zahlreiche Möglichkeiten. Schau doch einfach mal in diese Liste von Aktienindizes auf Wikipedia, um dir einen ersten Einblick zu verschaffen. Drittens kannst du in ETFs verschiedener Fondsanbieter investieren. Der Fondsanbieter spielt bei der Wahl deines ETFs aber eine eher unwesentliche Rolle. Zuletzt kannst du in ETFs mit drei verschiedenen Replikationsmethoden investieren. Die Replikationsmethode definiert, wie der ETF den von dir gewählten Index abbildet.

Im nächsten Blog-Beitrag zeigen wir dir, wie du ETFs miteinander vergleichen kannst. Hier gehen wir genauer auf sieben verschiedene Faktoren ein, anhand welcher du ETFs miteinander vergleichen kannst.

Also bis zum nächsten Mal und wir wünschen kreative Investments!

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