Lerne dich richtig einzuschätzen!*

Bevor du tatsächlich damit beginnst, mit Aktien zu handeln, solltest du dir überlegen, ob Aktien grundsätzlich die passende Finanzanlage für dich sind. In der Welt der Finanzen ist ein weit verbreitetes Schema das sogenannte „magische Dreieck“ (siehe Abbildung) der Vermögensanlage. Das magische Dreieck besagt dabei im Grunde genommen nichts anderes, als dass es abzuwägen gilt, welche persönlichen Ziele man verfolgt.

Wie rentabel soll deine Finanzanlage sein?

Zunächst solltest du dir überlegen, welche Rendite du gerne erzielen möchtest. Die Rendite ist, einfach ausgedrückt, der Gesamtertrag deiner Investition und bezieht sich in der Regel auf den Zeitraum von einem Jahr. Die meisten Leute werden sich sicher eine möglichst hohe Rendite wünschen… Bedenke aber, dass eine hohe Rendite häufig auch mit einem höheren Risiko verbunden ist. Beispielsweise gelten deutsche Staatsanleihen als sehr sichere Geldanlage. Leider werfen sie aktuell aber auch nur 0,37% an Zinsen ab. Außerdem sind Staatsanleihen unter den „Normalos“ auch nicht sonderlich weit verbreitet. In der Regel wird daher für dich die sichere Rendite die Höhe deiner Sparbuch- oder Tagesgeldzinsen sein. Diese betragen momentan weniger als 1%. Weitaus höhere (durchschnittliche) Renditen winken am Aktienmarkt (6-8% pro Jahr) oder bei Peer-to-Peer Krediten (bis zu 15% pro Jahr). Allerdings besteht dort das Risiko, dass auch Verluste erwirtschaftet werden können. Das bringt uns dann automatisch zur nächsten wichtigen Frage:

Wie sicher soll deine Finanzanlage sein?

Die Frage nach der Sicherheit bezieht sich auf den Erhalt des von dir eingesetzten Kapitals. Bei Geldanlagen in Form von Sparbuch oder Tagesgeld ist das Risiko das eingesetzte Geld zu verlieren sehr gering. Dementsprechend gibt es aber auch kaum Zinsen. Eine Möglichkeit die Rendite zu erhöhen, ohne die Sicherheit zu sehr zu verringern, könnte darin bestehen eine gute Streuung der Investitionen vorzunehmen. Einfach ausgedrückt: Idealerweise entscheidest du dich nicht nur für eine Anlageform, sondern für einen Mix aus verschiedenen Anlageklassen. Du könntest z.B. sehr sichere Investitionen mit risikoreicheren Investitionen kombinieren und so deine Rendite erhöhen. Du könnest beispielsweise 10% auf dem Sparbuch anlegen, 20% auf dem Tagesgeldkonto, 30% in Aktien und den Rest in eine Immobilie. Das soll an dieser Stelle kein konkreter Investitionstipp für dich sein, sondern einfach nur zeigen, dass verschiedene Geldanlagen sich auch sinnvoll ergänzen können. Dabei solltest du dir die folgende Frage stellen:

Wie liquide möchte ich sein?

Die Liquidität befasst sich mit der Frage wie schnell eine von dir getätigte Investition wieder in „Geld“ umgewandelt werden kann. Hast du dich z.B. dazu entschlossen dir von deinem Erspartem ein Haus zu kaufen, dann hat dieses Haus einen bestimmten Wert. Dieser Wert kann auch Schwankungen unterliegen, sodass die von dir erworbene Immobilie vielleicht aktuell deutlich mehr Wert ist, als sie es zu dem Zeitpunkt war, zu dem du sie erworben hast. Diese Wertsteigerung ist aber für dich erstmal rein theoretischer Natur. Benötigst du kurzfristig Geld, um etwa eine teure medizinische Behandlung (oder ähnliches) zu finanzieren, dann nützt dir deine Immobilie recht wenig. Du kannst ja schließlich nicht zum Arzt gehen und sagen „wenn sie mich operieren, dann gehört Ihnen mein Wohnzimmer“. Du bist dann also unter Umständen dazu gezwungen deine Investition wieder in liquide Mittel (Geld) umzuwandeln. Im Falle einer Immobilie kann sich dieser Prozess aber durchaus sehr lange hinziehen und es kann auch sein, dass die Immobilienpreise gerade im Keller sind und es daher für dich auch ungünstig wäre, dich von deinem Häuschen zu trennen. Als Reserve für kurzfristigen Finanzbedarf ist eine Immobilie also nicht unbedingt zu empfehlen, denn die Liquidität ist eher schlecht. Verschiedene Anlageklassen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Liquidität, sodass du dir bei der Zusammenstellung deines individuellen Investitionsportfolios auch darüber Gedanken machen solltest.

Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass du dir im Vorfeld gründlich Gedanken über die Zusammensetzung deines persönlichen „magischen Dreiecks“ machen solltest. Bist du vielleicht eher ein risikoscheuer Anlegertyp? Dann spielen bei dir wahrscheinlich eher die Dimensionen Sicherheit und Liquidität eine große Rolle. Bist du eher an einer hohen Rendite orientiert? Dann solltest du dir überlegen, wie du trotzdem ein gewisses Mindestmaß an Sicherheit gewährleisten kannst. Steht die Liquidität für dich im Vordergrund? Dann könnte eventuell sogar ein Tagesgeldkonto für dich genau das Richtige sein… Letztendlich musst du dir selbst im Klaren darüber sein, worauf es dir am meisten ankommt und dann entweder allein oder mit deinem professionellen Finanzberater den für dich richtigen Weg definieren.

Ich selbst bin eher an einer Renditemaximierung interessiert und bin daher durchaus bereit gewisse Risiken und eingeschränkte Liquidität in Kauf zu nehmen. Das hängt natürlich auch ein bisschen von der Lebensphase ab, in der man sich gerade befindet. Ich bin Anfang 30 und habe hauptsächlich in Aktien investiert. Aktien unterliegen zwar gewissen Risiken, bieten aber Langfristig die höchste Rendite. Langfristig ist hierbei das Stichwort. Da ich noch relativ jung bin, gehe ich davon aus, dass mir genug Lebenszeit bleibt, um zwischenzeitliche Krisen durchstehen zu können. Ein Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass es im Grunde genommen immer lukrativ gewesen wäre in einen Aktienindex (z.B. Dow Jones oder DAX) zu investieren – egal zu welchem Zeitpunkt! Unabhängig vom Investitionszeitpunkt wurde nach spätestens 12 Jahren die Gewinnschwelle erreicht. Ab einem Zeithorizont von 30 Jahren kann man relativ sicher mit einer Rendite von 6-8% (pro Jahr) rechnen. Das geforderte Mindestmaß an Sicherheit stelle ich persönlich also über die Langfristigkeit meines Anlagehorizontes sicher und über die Streuung meiner Investitionen. Ich investiere also nicht mein gesamtes Vermögen in nur eine Aktie sondern in viele verschiedene, sodass es nicht so sehr ins Gewicht fällt, falls ein einzelnes Unternehmen sich einmal nicht wie gewünscht entwickeln sollte. Da Aktien jederzeit ge- und verkauft werden können, ist auch eine gewisse Liquidität gegeben, obwohl hier das gleiche Problem auftreten kann, wie in dem oben genannten Immobilien-Beispiel. Sollten die Aktienkurse gerade im Keller sein und ich benötige dringend liquide Mittel, dann kann ich zwar die Aktien schnell in Geld umwandeln, aber dann muss ich unter Umständen mit entsprechenden Verlusten rechnen. Wie du siehst ist es alles eine Frage der individuellen Einstellung…
Da ich selbst immer wieder nach Aktientipps und den Spielregeln an der Börse gefragt werde, habe ich nun auch ein eigenes Buch verfasst. Dort werden alle für Anfänger relevanten Fragestellungen „sauleicht“ und für jedermann verständlich erklärt. Angefangen von der Depoteröffnung, über den Kauf/Verkauf von Aktien, die Funktionsweise der Börse, die Informationsbeschaffung, die wichtigsten Anlagestrategien und die Risikostreuung mit Fonds sind dort in einfachen Worten und mit vielen Beispielen erklärt. Schau gerne mal rein!

Nun wünsche ich viel Spaß an der Börse und stets kluge Investitionen!

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