Die Kunst des bewussten Konsums: Lerne Ausgaben einzuschätzen*

In einem unserer vorherigen Blog-Artikel hat Raphael dir 4 Hebel vorgestellt, mit deren Hilfe du deine finanzielle Situation verbessern kannst. Falls du den Artikel nicht gelesen hast, findest du hier noch einmal die Grafik, die die 4 Aktionsfelder darstellt. Im Grunde genommen geht es dabei um Stellschrauben, die du nutzen kannst, um dein Vermögen zu erhöhen.

Abbildung: 4 Hebel zum Management deiner Finanzen

 

Dass die meisten von uns gerne etwas mehr Geld hätten, wird wohl kaum jemand bestreiten. Viel interessanter finde ich die Frage, warum die Menschen nach mehr Geld streben. Macht Geld uns vielleicht doch glücklicher? Unabhängig von der moralisch und ethisch korrekten Antwort auf diese fast schon philosophische Frage, gibt es tatsächlich Studien, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Diese Studien zeigen, dass es in der Tat einen nichtlinearen Zusammenhang zwischen Geld und Glück gibt. Hört sich kompliziert an, ist aber eigentlich ganz simpel. Hat man ein eher geringes Jahreseinkommen von z.B. 15.000€ und dieses Jahreseinkommen wird plötzlich auf 30.000€ erhöht, dann empfindet der Betroffene einen sehr großen Glückszuwachs. Wird das Jahreseinkommen dann noch einmal von 30.000€ auf 60.000€ erhöht, empfindet man zwar noch immer einen Glückszuwachs, dieser fällt jedoch deutlich geringer aus, als zuvor. Ab einem Jahreseinkommen von ca. 80.000€ ist kaum noch ein Glückszuwachs durch eine Steigerung des Einkommens zu erreichen. Die Studien deuten also darauf hin, dass es eine Summe gibt (wo auch immer diese genau liegen mag), die uns zufrieden stellt.

Ähnliches besagen auch die Forschungsergebnisse von Richard Easterlin, der in den 1970er Jahren ebels den Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück untersuchte. Nach ihm wurde das sogenannte Easterlin-Paradox benannt. Im Kern besagt das Easterlin-Paradox, dass mehr Reichtum in einer Gesellschaft nicht automatisch zu mehr Glück führt. Es scheint also tatsächlich so sein, dass sobald die Grundbedürfnisse gestillt sind, zusätzliches Geld kaum mehr Glück erzeugt. Umso erstaunlicher finde ich es, dass es Länder gibt, die trotz eines relativ geringem pro Kopf Einkommens, im internationalen Glücksranking (World Happiness Report 2018) sehr gut abschneiden. Da liegt z.B. Costa Rica (Platz 13) deutlich vor den USA (Platz 18). Was sind wohl die Gründe dafür? In der Forschung wird dieses Thema heftig diskutiert und bisher gibt es noch keine eindeutige Antwort darauf.

Ich persönlich habe mir auch schon viele Gedanken über den Zusammenhang von Geld und Glück gemacht. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, die perfekte Summe zu identifizieren, die es anzustreben gilt. Für mich geht es beim Thema Geld und Finanzen ohnehin nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität. Im Volksmund hat man schon längst erkannt, dass Geld allein nicht glücklich macht. In erster Linie sind es wohl soziale Bindungen (z.B. Liebe, Freundschaft, Familie), sowie Selbstverwirklichung und Autonomie, die den Menschen glücklich machen. Geld ist dabei eher ein Mittel zum Zweck. Aus diesem Grunde habe ich nach Ideen und Ansätzen gesucht, die mir als Orientierung für den optimalen Einsatz meines Geldes dienen.

Ein interessantes Konzept ist in diesem Zusammenhang der sogenannte L-Faktor, den Gerald Hörhan in seinem hervorragenden Buch, der Investment Punk, vorstellt. Das “L” im L-Faktor steht für Lebensqualität. Wenn wir unseren Blick wieder auf die oben genannten 4 Hebel zum Management der eigenen Finanzen wenden, dann würde der L-Faktor sich wohl am ehesten auf den Hebel “Ausgaben reduzieren” beziehen. Das Schöne am L-Faktor ist dabei, dass es nicht darum geht, durch zwanghaftes sparen sein Vermögen zu erhöhen, sondern vielmehr um bewusstes genießen. Die Grundidee – egal ob man es nun L-Faktor nennen mag oder nicht – ist es, dass man vor Konsumausgaben eine bewusste Kosten-Nutzen-Entscheidung trifft und diese dann auch umsetzt. Der L-Faktor ist daher ein individueller Wert, der nicht verallgemeinert werden kann. Er kostet aber Geld. Vor jeder Konsumentscheidung sollte also überlegt werden, wie viel Lebensqualität durch die Ausgabe erzeugt wird. Anschließend kann man beurteilen, ob das Verhältnis zwischen zusätzlich gewonnener Lebensqualität und den getätigten Ausgaben in einem vernünftigem Verhältnis steht. Das hört sich vielleicht etwas kompliziert an, ist aber tatsächlich sehr einfach mit Hilfe einiger Beispiele zu verdeutlichen.

Beispiel Auto:

Viele Menschen verbinden es mit purer Lebensfreude, einen schönen Sportwagen zu fahren. Nicht nur, dass diese Autos tolle Fahreigenschaften aufweisen (z.B. eine atemberaubende Beschleunigung), sondern sie haben auch Symbolcharakter. Wer einen Sportwagen besitzt, der gilt als vermögend und sorgenfrei. Schließlich kann es sich derjenige scheinbar getrost erlauben, sich ein Auto zuzulegen, dass nahezu keinen praktischen Nutzen hat, sondern lediglich dem persönlichen Vergnügen dient. Laut dem Investmentpunk ist es dabei ein typisches Problem der Konsumgewohnheiten der Mittelschicht, dass für wenig L-Faktor eine Menge Geld bezahlt wird. Oft ist es so, dass bestimmte Produkte (z.B. Autos) künstlich hochstilisiert werden und Konsumenten durch geschicktes Marketing bereit sind, nahezu jeden Preis dafür zu zahlen. Wahrscheinlich ist dir schon aufgefallen, dass beispielsweise viele Hollywood Größen sich derzeit sehr gerne in Fahrzeugen der Marke Tesla abbilden lassen. Tesla-Fahrzeuge gelten als sportlich, umweltfreundlich und hipp. Vor allem sind sie aber eines: sehr teuer! Damit bilden sie ein tolles Statussymbol. Ich selbst hatte kürzlich die Möglichkeit ein Tesla Model X zu testen und muss sagen, dass sich sehr schnell Ernüchterung breit machte. Neben einer ausgezeichneten Beschleunigung, fiel das Fahrzeug eher durch mittelmäßige Verarbeitung und instabile Software auf. Welcher Durchschnittsbürger, der gerne etwas sportlicher unterwegs ist, sollte sich also aktuell einen Tesla kaufen? Insbesondere bei der momentan noch relativ schwach ausgebauten Ladeinfrastruktur…

Paul im Tesla Model X

Stattdessen denken wohl die wenigsten an eine Marke wie z.B. Kia, wenn es um einen Sportwagen geht. Dabei bietet beispielsweise der Kia ProCeed GT mit 204 PS, schickem Design und viel Platz, viel Fahrvergnügen für verhältnismäßig wenig Geld. Selbst die Auto Bild schrieb schon im Oktober 2017 begeistert: “verliebt in einen Kia”! Ein Paradebeispiel also für das Konzept des L-Faktors, denn dieses besagt auch, dass eine Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen uns dabei helfen kann, viel L-Faktor für unser Geld zu bekommen.

 

 

Beispiel Urlaub:

Ein weiteres Beispiel für die mögliche Anwendung des L-Faktors sind natürlich auch Urlaubsreisen. Urlaub kostet Geld und schmälert in der Regel unser Vermögen. Es handelt sich also um Konsum. Das muss natürlich nicht schlecht sein, denn Urlaubsreisen steigern unser Wohlbefinden und machen somit glücklich. Die Frage ist wiederum, wie man die richtige Balance zwischen L-Faktor und Ausgaben findet. In einem unserer Blogartikel habe ich dir schon von meinen Urlaubsreisen nach Panama und nach Albanien berichtet, die ich über die Plattform von Evaneos gebucht habe. Rückblickend bin ich absolut überzeugt davon, dass ich für mein Geld sehr viel L-Faktor bekommen habe. Zugegebenermaßen sind Panama und Albanien vielleicht nicht die typischen Urlaubsziele des durchschnittlichen Deutschen Touristen, doch genau dieses antizyklische Reiseverhalten führte dazu, dass ich unvergessliche Urlaube für relativ wenig Geld erleben konnte. Die nächste Reise führt übrigens nach Slowenien!

Evaneos

Zusammenfassend kann man sagen, dass Geld in unserem Alltag zwar eine große Rolle spielt, es jedoch in unserem Leben nicht nur darum gehen sollte, möglichst viel davon anzuhäufen. Die von uns vorgestellten 4 Hebel können dir dennoch dabei helfen, deine Finanzen besser in den Griff zu bekommen und dich so vor zukünftigen Unwägbarkeiten abzusichern. Manchmal sollte man sich jedoch auch selbst belohnen und sich etwas gönnen dürfen. Um sicherzustellen, dass solche Konsumentscheidungen nicht komplett losgelöst von jeglicher Rationalität ablaufen, könnte das Konzept des L-Faktors durchaus eine Überlegung wert sein.

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