Grundlagen des Value-Investing*

Vielleicht ist dir in letzter Zeit häufiger der Begriff des Value-Investing begegnet. Das Value-Investing ist die Anlagestrategie, die allgemeinhin mit dem Anlagestil von Warren Buffett in Verbindung gebracht wird. Falls du ihn noch nicht kennen solltest, dann noch ein paar Worte zu ihm… Warren Buffett ist der wohl erfolgreichste und berühmteste Investor unserer Zeit. Er war Schüler des ebenfalls legendären Investors Benjamin Graham. Auf Grund seiner Treffsicherheit und Zuverlässigkeit, was kluge Investments und Rendite betrifft, wird Warren Buffett auch oft als „Orakel von Omaha“ bezeichnet. Sehr beeindruckend ist dabei, dass es Buffet schon seit Jahrzehnten regelmäßig gelingt „den Markt zu schlagen“. Das bedeutet, dass sich Buffett‘s Investitionen regelmäßig besser entwickeln als der Durchschnittswert des gesamten US-amerikanischen Aktienmarktes. Als Referenz wird hier meistens die Entwicklung des S&P500 betrachtet.
Die Frage die dir nun sicher unter den Nägeln brennt lautet: Wie schafft es dieser Buffett regelmäßig so gute Ergebnisse zu erzielen?!? Mit Zufall kann es ja nicht so viel zu tun haben, wenn man bedenkt, dass der Erfolg nun schon über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren anhält… Die Antwort auf diese Frage lautet „Value-Investing“! Die Grundidee, die hinter dem Value-Investing steckt, ist es, vorrangig Anteile (Aktien) von Unternehmen zu erwerben, die an der Börse aktuell günstiger zu haben sind, als sie es eigentlich sein sollten. Man spricht in diesem Zusammenhang davon, dass eine Aktie unterbewertet ist. Value-Investoren argumentieren dementsprechend, dass jede Aktie einen „inneren“ und „fairen“ Wert hat. Diesen Wert zu ermitteln ist Kern einer jeden Value-Strategie. Wenn eine Aktie aktuell deutlich unter ihrem eigentlichen inneren Wert an der Börse gehandelt wird, dann wird das Interesse der Value-Investoren geweckt. Woher weiß man denn aber, dass eine Aktie unterbewertet ist? Hier vertrauen viele Investoren auf die Fundamentalanalyse. Die Fundamentalanalyse versucht, basierend auf mehr oder weniger harten betriebswirtschaftlichen und ökonomischen Fakten, den fairen Wert eines Unternehmens zu identifizieren. Im folgenden möchte ich dir einige Kennzahlen präsentieren, die der Fundamentalanalyse zugeordnet werden können.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV setzt den Gewinn eines Unternehmens in Relation zu seinem aktuellen Aktienkurs und ist eine sehr wichtige Kennzahl der Fundamentalanalyse. Der Wert des KGV zeigt uns dabei an, wie viele Jahre es dauern würde, bis der Gewinn eines Unternehmens seinen eigenen Aktienkurs „bezahlt“ hat. Das hört sich vielleicht etwas abstrakt an, daher lass uns ein kleines Rechenbeispiel betrachten. Nehmen wir an der Aktienkurs eines Unternehmens beträgt 10€ und auf der Hauptversammlung wird bekanntgegeben, dass der Gewinn pro Aktie im abgelaufenen Geschäftsjahr 2€ betrug. Wir können nun beide Werte in Relation zueinander setzen. Wenn wir 10€ durch 2€ dividieren, dann erhalten wir ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5. Ein KGV von 5 würde bedeuten, dass es bei dem aktuellen Aktienkurs und der gegenwärtigen Gewinnsituation 5 Jahre dauern würde, bis der Aktienkurs durch den Unternehmensgewinn erwirtschaftet werden würde. In der Praxis wäre ein KGV von 5 ein eher günstig bewertetes Unternehmen und könnte für ein Investment interessant sein. Schließlich ist ein Zeitraum von 5 Jahren bis zur Erwirtschaftung des gesamten Börsenwertes ein durchaus überschaubarer Zeitraum. Als Faustregel gilt daher, dass ein niedriges KGV darauf hindeuten könnte, dass das Unternehmen vielleicht ein bisschen zu günstig bewertet ist und daher attraktiv für ein Investment sein könnte. Die meisten DAX Titel weisen ein KGV zwischen 15 und 20 auf. Unternehmen, die sich gerade im starken Wachstum befinden, haben in der Regel ein höheres KGV, da gerade in den frühen Phasen die Gewinne relativ klein ausfallen, aber Kurse bereits sehr hoch sein können.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das KBV ist eine Kennzahl, die den Aktienkurs eines Unternehmens in Relation zu seinem Eigenkapital setzt. Beträgt das Eigenkapital eines Unternehmens beispielsweise eine Million Euro und sind 500.000 Aktien zu einem Kurswert von 2€ im Umlauf, dann beträgt die Marktkapitalisierung ebenfalls eine Million Euro. Dividiert man in diesem Fall die Marktkapitalisierung durch das Eigenkapital, erhält man den Wert 1. Würde das KBV also 1 betragen, würde das bedeuten, dass der Eigenkapitalanteil der Gesellschaft, der als Aktionär rechnerisch mir gehört, genau dem aktuellen Kurs entspräche. Einfach gesagt ist das Eigenkapital eines Unternehmens die Differenz zwischen dem Gesamtvermögen und der Gesamtschuld. In diesem Zusammenhang wird das KBV oft als eine substanzorientierte Kennzahl angesehen, denn es wird überprüft, ob man für eine Aktie auch genügend Kapital als Gegenleistung bekommt. Ist man ein Verfechter der KBV-Analyse, wird man daher argumentieren, dass ein KBV von ca. 1 darauf hindeutet, dass der aktuelle Aktienkurs den Wert des Unternehmens fair bewertet. Werte über 1 deuten hingegen auf eine mögliche Überbewertung hin und Werte kleiner als 1 können anzeigen, dass das Unternehmen unterbewertet ist.
Eigenkapitalquote: Im Rahmen des KBV haben wir schon den Begriff des Eigenkapitals kennengelernt. Die Eigenkapitalquote kann dabei selbst ein Bestandteil der Unternehmensanalyse sein. Sie setzt das Eigenkapital eines Unternehmens in Verhältnis zu dessen Gesamtkapital. Das Gesamtkapital wiederum ist die Summe aus Eigen- und Fremdkapital. Ist ein großer Teil des Gesamtkapitals eines Unternehmens Eigenkapital, dann ist die Eigenkapitalquote hoch. Dementsprechend wird angenommen, dass Unternehmen mit hohem Eigenkapitalanteil weniger abhängig von Fremdkapitalgebern, wie Banken oder Business Angels sind.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine weitere Kennzahl, deren Wert in Abhängigkeit zum Aktienkurs steht. Konkret drückt die Dividendenrendite aus, welchem Prozentwert des aktuellen Kurses die Dividendenausschüttung entspricht. Notiert eine Aktie beispielsweise gerade bei einem Kurs von 10€ und schüttet eine Dividende in Höhe von 0,50€ aus, dann beträgt die Dividendenrendite 5%. Oftmals wird die Dividendenrendite über mehrere Jahre hinweg vergleichen, sodass man einschätzen kann, ob die Dividende regelmäßig gezahlt wird und welchen Schwankungen sie unterliegt. Einige Investoren vergleichen die Dividendenrendite von zuverlässigen Unternehmen auch mit dem Zinssatz von klassischen Geldanlagen, wie etwa dem Tagesgeld und treffen daraufhin ihre Anlageentscheidung. Wenn man sich auf Dividenden spezialisiert, dann sollte man darauf achten, dass die ausgewählten Unternehmen nicht ihren gesamten Gewinn (oder sogar noch mehr) an die Aktionäre ausschütten. Als Faustregel gilt hier, dass maximal 60-70% des Gewinns für die Zahlung der Dividende aufgewendet werden sollte.
An dieser Stelle soll es erstmal genug zur Fundamentalanalyse gewesen sein. Der Vollständigkeit halber, möchte ich aber noch darauf hinweisen, dass es im Allgemeinen leicht unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, welche weiteren Kennzahlen zur Fundamentalanalyse herangezogen werden sollten. Häufig werden in diesem Zusammenhang beispielsweise das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis, die Gesamtkapitalrendite oder die abgezinsten Zahlungsströme (Discounted Cash Flow) genannt. Generell gibt es an der Börse verschiedene Meinungen, wie Anlageentscheidungen getroffen werden sollten. Die Kennzahlen, die ich dir gerade vorgestellt habe, können im Großen und Ganzen der Fundamentalanalyse zugeordnet werden. Die Fundamentalanalyse wiederum ist Kern des Value-Investing… Natürlich gibt es aber auch neben der Fundamentalanalyse noch weitere Analyseformen, wie z.B. die Chartanalyse, bei der man versucht aus Kursverläufen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung einer Aktie zu ziehen.

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3 Gedanken zu „Grundlagen des Value-Investing*

  1. Tim Antworten

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